Unsere erste mehrtägige Reise

Es war eine Premiere für uns alle: mit meinem behindertengerecht umgebauten Seat Mii machten wir, d.h. die vier "Helping Dogs" Leah, Gizmo, Speedy, Chekotee und ich, zum ersten Mal eine längere Reise, welche uns ins Weinviertel zu meinen Freundinnen Barbara und Hedi führte, wo wir einige Tage verbrachten. Bis dahin traute ich mich höchstens bis Waidhofen an der Thaya zu fahren - das Problem ist nämlich stets die anschließende Rückfahrt nach Hause, die mir dann zuviel wird. Doch diesmal konnte ich mich ja zwischen den Fahrten ausreichend erholen und somit erweiterte sich unser Radius enorm!

Für die Hunde war es natürlich auch etwas Besonderes - auch wenn Leah und Gizmo schon aus unserer Wiener Zeit (Behindertenfahrtendienst) alte "Reiseprofis" sind. Hingegen Speedy und v.a. Chekotee, die bei mir in monatelangem geduldigen Autotraining das Fahren nunmehr sehr lieben, kennen es gar nicht, woanders länger zu bleiben (und verbinden außerdem mit ihrer allerersten Autofahrt von Bulgarien nach Österreich schlimme traumatische Erinnerungen). Aber da wir auf der Fahrt zwischendurch Rast machten und im Wald bzw. im Weingarten spazieren gingen, wurde es eine schöne und entspannte Reise. Vorteilhaft - besonders für die Junghunde - war, dass sie sowohl die Gastgeberin als auch deren Hunde von ihren Besuchen bei uns schon seit längerem kennen, somit war nicht alles total fremd. Aber natürlich fanden wir es sehr aufregend, als wir dort Quartier bezogen und die Hunde mussten selbstverständlich alles ausgiebig beschuppern;-)

Der ängstliche Chekotee verstand zuerst gar nicht, wie ihm geschah und war klarerweise gestresst, doch ich hatte sicherheitshalber schon Tage vor der Reise angefangen, ihm Zylkene zu verabreichen, damit er all die neuen Erfahrungen leichter bewältigen kann, was auf jeden Fall hilfreich war. Kurz nach der Ankunft war sein Stresspegel so hoch, dass er nicht einmal seine Lieblingswurst essen wollte, doch wir machten gleich einmal einen kurzen Spaziergang gemeinsam mit den anderen und so konnte sich Chekotee auf dem Feldweg wiederum etwas beruhigen.

Als erfahrene "Hunde-Mammi" hatte Barbara natürlich für jede Menge Hundebetten gesorgt, sodass Chekotee sofort eine "Höhle" für sich entdeckte - anfangs war er sichtlich noch stark verunsichert und verspannt ...


... später jedoch wurde dieser Platz sein "Refugium", worin er sich immer wieder zurückziehen, die neuen Erfahrungen verarbeiten, sich erholen und entspannen konnte.

Die drei anderen Hunde erkoren sofort das Bett als ihren Ruheplatz aus, insbesondere Leah war glücklich, dass sie auf dieses niedrige Bett selbst "hinaufkraxeln" konnte (während sie ja zuhause ihre Hundetreppe braucht) - mit sichtbarem Vergnügen kletterte sie des öfteren rauf und runter;-)

Besonders gut gefiel es allen natürlich, dass sie - wie zuhause - freien Zugang zum Garten hatten und dort mit den anderen Hunden spielen und Leckerli suchen konnten:-)

Auch drinnen fühlten sich die Neuankömmlinge bald wie zuhause: Speedy und Leah liebten den Fensterplatz, Chekotee bestaunte mit aufmerksamen und fragenden Augen diese neue Welt (selbstverständlich durfte er sich immer in seine Höhle zurückziehen, wenn ihm danach war) und Gizmo, ja Gizmo ist sowieso überall fröhlich mit dabei, v.a. allem, wenn´s was zu Fressen gibt;-)

Und dann gab´s ja auch noch Alpakas! Sensationell - zumindest für die "youngster boys", die zwar Pferde, Esel und Schafe kennen, aber nicht solche Tiere (nur Leah und Gizmo waren mal mit mir auf Besuch bei Alpakas)! Chekotee, der anfangs einen wahrhaftigen Riiiiesenbogen um diese "sonderbaren Geschöpfe" machte, freundete sich im Laufe der Tage direkt mit den Alpakas an:-)

Speedy war - wie überhaupt auf der ganzen Reise - total "cool" und schien sich offenbar ganz seiner Verantwortung als künftiger Servicehund bewusst zu sein:-)

Zudem waren wir auch in Hedis Stadtwohnung eingeladen, dorthin begleiteten mich Gizmo und Speedy (für Chekotee wäre ein Stadtbesuch viel zu viel gewesen, deshalb ließ ich ihn zusammen mit Leah "zuhause"). Für Gizmo als gebürtigen Stadthund (und noch dazu Servicehund in Pension) stellte das städtische Umfeld selbstverständlich kein Problem dar, bei Speedy, der ja nur unsere Dörfchen und Kleinstädtchen kennt, war ich auf Unsicherheiten und eventuell gar Meideverhalten gefasst. Doch ich wurde positiv überrascht! Souverän, als ob er immer schon in der Stadt gewesen wäre, begleitete er mich an der Leine durch die Straßen, selbst als wir zum großen Wohnblock kamen und in das Stiegenhaus traten, zeigte Speedy keinerlei Irritation:-)

Und dann der AUFZUG! Speedy hatte noch nie in seinem Leben einen Lift gesehen, geschweigedenn war er je Lift gefahren! Als die Tür aufging und Barbara mit Gizmo ganz selbstverständlich einstieg, machte auch ich die paar Schritte in die Kabine hinein - da gab es ein kurzes Zögern: Speedy schaute zweifelnd zum Lift, schnüffelte vorsichtig an der Bodenspalte und sah kurz zu mir auf, woraufhin ich ihn mit freundlicher Stimme animierte, mit mir zu kommen, was er dann auch (nur ein ganz klein wenig unsicher) tat ... seine erste Liftfahrt - ich war sooooooo stolz auf ihn:-)

Auch in der Wohnung zeigte Speedy (Gizmo sowieso), dass er weiß, wie man sich als Servicehund benimmt: Nach Begrüßung und (erlaubtem) Herumschnüffeln legten sich die beiden Jungs auf die von Hedi ausgebreiteten Decken und  blieben dort, bis sie wieder gerufen wurden - da gab´s natürlich für jeden einen Leckerli-Jackpot:-)

Diese kleine Reise war für mich ein großer Schritt hin zu meinem Wunschtraum, gemeinsam mit meinen "Helping Dogs" an die Nord- und Ostsee zu fahren! Natürlich gibt´s dafür noch viel zu tun, nicht nur Routenplanung etc., sondern ebenso Hundetraining, v.a. für Chekotee, mit dem ich von nun an endlich viel intensiver an der Alltagsgewöhnung arbeiten und ihn - immer noch sehr behutsam - mit unterschiedlichen fremden Situationen vertraut machen kann. Für den Deprivationshund mit seiner massiven Angststörung war es ein sehr, sehr langer Weg bis dahin, doch jetzt ist er soweit gefestigt, dass er auch die wirkliche weite Welt zu erkunden vermag. Mit seinem neuen Selbstbewusstsein und seiner stetig gewachsenen Selbstsicherheit, seiner innigen Beziehung und seinem tiefen Vertrauen zu mir ist er mittlerweile imstande, sogar extrem stressige Situationen zu bewältigen. Oder einen Ausweg zu finden bzw. sich selbst eine "Auszeit" zu vergönnen, wenn ihm alles zuviel wird - er weiß nämlich, dass er immer Unterstützung und Halt erfährt, sowohl von mir als auch von Leah, seiner Ersatz-Mammi, sowie von Speedy, seinem besten Freund.

Ein Beispiel: beim Waldspaziergang mit Barbara und ihren Hunden war Chekotee allein deshalb schon gestresst, weil die Weinviertler Wälder mit ihren vielen Laubbäumen gänzlich anders ausschauen als die ihm bisher vertrauten Waldviertler Nadelbäume, dazu trafen wir während dieses zweistündigen Wegs weit mehr Spaziergänger und Radfahrer als bei uns innerhalb zweier Monate ... wenn sich Chekotee also völlig überfordert fühlte, bog er kurz ab und kroch in die Büsche (alle meine Hunde wissen an sich, dass sie im Wald am Weg bleiben müssen, doch er signalisiert durch sein "Verstecken", dass ihm momentan alles zuviel ist und er nicht weiter weiß). So legte er sich im Gebüsch nieder, um sich wieder zu sammeln - eine höchst intelligente Lösungsstrategie!

[Dieses Zurückziehen hat übrigens nichts mit passiver Erstarrtheit der "erlernten Hilflosigkeit" zu tun, sondern ist eine aktive Form des "Sich-Herausnehmens" aus einer Situation, die im Moment nicht bewältigbar ist.]


Daraufhin kroch ich auf allen Vieren zu ihm, hielt und umarmte ihn in unserer "Safe"-Position [er ist ein Hund, der bei Stress und Angst den Körperkontakt zu mir sucht, am liebsten würde er in mich hineinkriechen - das ist bitte KEIN Patentrezept für sämtliche Angsthunde]! Ich massierte sanft seine Ohren, währenddessen kamen auch Leah & Speedy dazu, um ihn zärtlich zu "bemutterten"  ... bis er wieder weitergehen konnte.


Die gerade bei Angsthunden nötige achtsame kleinschrittige Sozialisation und Habituation, die ich nunmehr mit Chekotee vermehrt und gezielt fortsetze, wird auch für Speedy positive Auswirkungen haben (immerhin war er einst auch voller Ängste, wenngleich niemals so gravierend wie Chekotee). Gerade für ihn als zukünftigen Servicehund ist Gelassenheit und Konzentration (auch bei Ablenkungen bzw. in unbekannten Situationen) wichtig, denn er soll ja auf seine Arbeit fokussiert sein - ergo: üben, üben, üben ...

Ich bin sehr froh (und schon auch ein bissl stolz auf mich!), dass ich diese Kurzreise gemeinsam mit meinen "Helping Dogs" so erfolgreich und glücklich geschafft habe! Entonces: buen viaje!


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