Hundetraining für Tierheime

Basistraining für Tierheimhunde dient prinzipiell dazu, deren Vermittlungschancen zu erhöhen, in erster Linie aber soll es den Hunden selbst mehr Lebensqualität bringen. Hunde, die im Tierheim ganz besonders gestresst sind, alte und/oder gehandicapte Hunde und v.a. Angsthunde sowie andere sog. "Problemhunde" brauchen spezielle Betreuung. Dazu will und kann Helping Dogs einen Beitrag leisten - entweder als "Mobiles Hundetraining" im Tierheim oder im Helping Dogs-Zentrum, wohin (ehrenamtliche) TierheimmitarbeiterInnen die Hunde stundenweise bringen können (sofern Autofahren ihnen keinen Stress macht - in diesem Fall müsste zuvor ein behutsames Auto-Training im Tierheim stattfinden).

Auf der Basis von aktuellen und fundierten kynologischen und lerntheoretischen Erkenntnissen arbeite ich mit Hunden grundsätzlich freundlich und einfühlsam in wesensgemäßer, spielerischer und positiver Weise, wobei ich von der momentanen Situation und Befindlichkeit des Tieres ausgehe und das Training demgemäß individuell adaptiere. Zu Beginn wird anhand der Wünsche und Zielvorstellungen des Tierheims und nach dem Kennenlernen des Hundes (ev. auch mithilfe funktionaler Verhaltensanalyse) ein Trainingsplan erstellt, den ich mit den TierheimmitarbeiterInnen bespreche (dabei sind natürlich auch noch Änderungen in der Trainingsgestaltung möglich) - nach "Stundenplan"-Vereinbarung kann das Hundetraining starten, im Allgemeinen - v.a. anfänglich - nur in Form von Einzeltraining!

Es werden auch TierheimmitarbeiterInnen in das Training mit einbezogen: zum einen sollen die Hunde nicht nur zu mir Vertrauen aufbauen, sondern ebenso zu anderen Menschen, zum anderen ist es notwendig, die Übungen in gewohnter Weise mehrmals täglich jeweils für ein paar Minuten (anfangs häufig sogar nur ein paar Sekunden) mit den Hunden durchzuführen, damit tatsächlich ein Lernprozess entstehen kann.

Das Helping Dogs-Trainingsprogramm für Tierschutzhunde ist ehrenamtlich, d.h. es entstehen dem Tierheim dadurch keine Kosten. Behinderungsbedingt ist es mir leider nur möglich, nahe gelegene Tierheime zu besuchen und auch das keinesfalls täglich. Aber wenn Sie als TierheimleiterIn - wo immer auch - Bedarf sehen, kontaktieren Sie mich doch einfach! Gemeinsam finden wir sicherlich eine gute Lösung - manchmal reicht schon ein Gespräch, ein besonderer Tipp oder eine Buchempfehlung, zudem kann ich Sie über mein Netzwerk an kompetente KollegInnen in Ihrer Nähe weitervermitteln oder es findet sich eine Betreuungsperson, die mit Ihrem ganz speziellen "Sorgenkind" ein paar Tage oder Wochen bei Helping Dogs  verbringt!

Helping Dogs-Trainingsprogramme für Tierheimhunde

Doggy-ABC

Erlernen wesentlicher Stimm- und Handsignale, z.B.:

- Reagieren auf den Namen

- Blickkontakt

- Rückruf

- Warten

- Bleiben

- Stillhalten

- Etwas hergeben

- Locker an der Leine

- und natürlich auch Sitz & Platz

(Unsichtbare) Leine

Leinenführigkeit gehört zur Grundausbildung, denn in vielen Alltagssituationen ist es notwendig oder sogar unerlässlich, dass Hunde an der Leine sind:

- spielerisches Kennenlernen und schrittweises Anlegen von Brustgeschirr und Leine

- Locker an der Leine

- Blickkontakt

- Rückruf

- Schleppleine

- "Unsichtbare" Leine


Anti-Stress-Trainingsprogramme

Für mehr Ausgeglichenheit:

- "Stressfrei" für extrem nervöse Hunde

- "Mutmacher" für ängstliche Hunde

- "Zappelphilipp" für hyperaktive Hunde

- "Impulskontrolle" für Hunde, die sich situationsunangepasst und ungehemmt verhalten

- "Hütehunde-Powertraining" für übereifrige "Workaholics" (Hüteveranlagung ausleben - ganz ohne Schafe & Co.)

- und für alle Hunde, die schnell gestresst sind:

- Konditionierte Entspannung

- Marker- bzw. Clickertraining

- Social Walks

Alltagsgewöhnung, insbes. für Angsthunde

Nach funktionaler Verhaltensanalyse wird ein individuelles verhaltenstherapeutisches Programm erstellt:

- Aufbau des Selbstvertrauens und des Vertrauens zum Menschen

- Stressreduktion (z.B. Konditionierte Entspannung)

- Systematische Desensibilisierung

- Gegenkonditionierung

- Alternativverhalten als Coping-Strategie

- Marker- bzw. Clickertraining

- Habituation & Ritualisierung

- Lernen durch Nachahmung

[je nach Bedarf auch Naturheilkunde, Medikamente, Massagen, Tellington-Touch, Hilfsmittel (z.B. Körpershirts) usw.]


Dog Walker - Schulung für "GassigeherInnen"

Spaziergänge stellen für Tierschutzhunde eine wertvolle Bereicherung dar: sie bieten Abwechslung und Frohsinn, also eine "Auszeit" vom Tierheimalltag - was jedoch nicht zu einer zusätzlichen Stressbelastung führen darf. Die Hunde sollen keinesfalls in ständiger Erwartungsangst leben, wer denn nun wieder was von ihnen will! Deshalb ist es wichtig, die HelferInnen auf ein gemeinsames Ausbildungsniveau zu bringen (erstrebenswert wären StammgassigeherInnen, welche die Hunde regelmäßig ausführen - somit haben alle die Möglichkeit, sich aneinander zu gewöhnen und einander wirklich kennenzulernen).

Um den Hunden Sicherheit zu vermitteln, werden gewisse Abläufe von allen MitarbeiterInnen stets gleich gestaltet - quasi wie Rituale. Die Tiere wissen dann, worauf sie sich einstellen und dass sie die Spaziergänge einfach genießen können.

Ganz besonders wichtig ist das Kennenlernen, Üben und richtige Anwenden der Regeln für respektvollen, achtsamen und sanften Umgang sowie freundlichen, ruhigen und angenehmen Umgangston mit Hunden. So werden die Ausflüge mit den fremden Menschen langsam zu etwas Vertrautem und fördern das Wohlbefinden der Tierheimhunde.

Kinder dürfen Hunde nur in Begleitung eines Erwachsenen ausführen, wenn beide die GassigeherInnen-Schulung absolviert haben.

Zielpersonen:

Ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die gerne mit Hunden spazierengehen und an der vereinsinternen Schulung für Dog Walker teilgenommen haben (der Einführungskurs für Dog Walker  findet zu festgelegten Terminen an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen bzw. Abenden statt und ist kostenfrei).

Dieser Text beruht auf dem - wirklich sehr empfehlenswerten - Buch von Sabine NEUMANN: Tierheim - Schicksal oder Chance?! Animal Learn Verlag, Bernau 2006, S. 66 ff.

Mehr zu Sabine Neumann, die nahe Plank am Kamp eine Hundeschule und ein Tierheim betreibt, siehe Traumhund und Tierreich.

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